Grundlagenpapier
des Stadtkulturbundes e.V. zur geplanten ECE-Ansiedlung in Mönchengladbach
Warum
engagiert sich der Stadtkulturbund?
Der Stadtkulturbund
Mönchengladbach e.V., ist ein Zusammenschluss freier Kulturvereine
und -initiativen sowie kulturell interessierter Einzelper-sonen.
In Erfüllung seiner satzungsgemäßen Aufgaben
bemüht er sich, die Rahmenbedingungen für die Tätigkeit
seiner Mitglieder zu verbessern und alle die Kräfte zu
unterstützen, die sich für die Kultur in Mönchengladbach
einsetzen. Der Stadtkulturbund nimmt öffentlich Stellung
zu kulturpoliti-schen Fragen und - darüber hinaus - Einfluss
auf kulturpolitische Entscheidungsprozesse.
Kultur gehört
ins Stadtzentrum. Kultur, Handel, Gastronomie und Dienst-leistungen
ergänzen und bedingen einander. Aus diesem Grunde hat sich
der Stadtkulturbund für den Erhalt des Schauspielhauses
als eines Kulturzentrums eingesetzt, nachdem es von den Vereinigten
Städtischen Bühnen KR-MG in Mönchengladbach nicht
mehr benötigt und es nur kurze Zeit für das Musical
Gambler genutzt wurde. Nun ist dieses Grundstück eine der
beiden Alternativen für die Ansiedlung eines ECE Handels-
und Dienstleistungszentrums. Der Stadtkulturbund ist hier erneut
gefordert, weil öffentliche Kulturinteressen unmittelbar
berührt sind. Die Mehrheitsparteien im Stadtrat stehen
mit dem Versprechen gegenüber der Bürgerschaft im
Wort, die Kultur solle hier, im Stadtzentrum an der Hindenburgstraße,
eine wichtige Rolle spielen, mit einer "dritten Säule
Kultur".
Für
das Handels- und Dienstleistungszentrum der Firma ECE-Projekt-management
stehen nun zwei Standorte zur Diskussion: Das Areal um das ehemalige
Stadttheater an der Hindenburgstrasse oder das Areal Hans-Jonas-Park
im Berggarten. ECE wird sich bis Anfang September 2006 erklären,
ob das Projekt auch auf dem Areal des Schauspielhauses "machbar"
ist. Präferiert wurde von der ECE zunächst nur das
Areal "Berggarten - Hans-Jonas-Park".
Mit der
Zustimmung zu der Entwicklungsvereinbarung zwischen der Stadt
Mönchengladbach und der ECE Projektmanagement hat der Rat
der Stadt am 1. Februar 2006 grundsätzlich beide Standorte
für die Errichtung des Handels- und Dienstleistungszentrums
zur Disposition gestellt. Dies geschah, ohne dass die unterschiedlichen
Auswirkungen eines solchen Zentrums hinlänglich untersucht
und öffentlich bekannt gemacht und diskutiert werden konnten.
Eine verantwortbare Stadtplanung ist aber ohne eine fachlich
fundierte Abschätzung der Folgen nicht möglich.
Um was
geht es konkret?
Die ECE-Projektmanagement
GmbH aus Hamburg ist europaweit der größte Entwickler
und Betreiber von großflächigen innerstädtischen
Einkaufszentren. Diese Shoppingmalls US-amerikanischen Ursprungs
sind zurzeit einerseits überall groß angesagt, andererseits
aber auch umstrit-ten, weil ihr Einfluss auf den restlichen
innerstädtischen Einzelhandel nicht immer positiv ist.
Im ungünstigsten Fall entwickelt sich solch ein Einkaufs-zentrum
zu einem "introvertierten" Solitärgebäude,
im dem das Einkaufs-publikum unter Glasbedachung und klimatisiert
ganztägig flaniert, wogegen der Rest des Einzelhandels
in der City große Leerstände aufweist und qualitativ
in eine Abwärtsspirale gerät.
Die Firma
ECE möchte auch in der City Mönchengladbachs ein großflächiges
Einzelhandels- und Dienstleistungszentrum von ca. 30.000 qm
Verkaufsfläche errichten und betreiben und hat dazu mit
dem Rat der Stadt eine über sechs Monate laufende Entwicklungsvereinbarung
geschlossen. Anfang September 2006 wird ECE seine Planungsüber-legungen
öffentlich machen und dann auch bekannt geben, welchen
der beiden ins Auge gefassten Projektstandorte man bevorzugt:
Entweder das Areal um das alte Stadttheater an der Hindenburgstrasse
(einschl. des Gebäudes des heutigen Finanzamtes) oder der
Standort Berggarten, für den neben Teilen des Hans-Jonas-Parkes
auch die Gebäude der städt. Musikschule, der Volkshochschule
und des städt. Jugendzentrums STEP weichen müssten.
Bislang sind noch keinerlei konkrete Planungen für den
Bau und die Finanzierung von Ersatzgebäuden für diese
drei öffentlichen Kultur- bzw. Jugendeinrichtungen bekannt.
Für das Finanzamt gibt es Überlegungen, dies in den
Nordpark am Rande der Stadt zu verlagern.
Welche Problemfelder werden von der ECE-Planung tangiert?
Vom Stadtkulturbund
sollen natürlich diejenigen Problemfelder diskutiert werden,
die direkt oder indirekt Einfluss auf die kulturelle Entwicklung
Mönchengladbachs haben.
Insbesondere
die Frage der Entwicklung des innerstädtischen Einzel-handels,
die üblicherweise im Zusammenhang mit der Ansiedlung von
großflächigen Einkaufszentren im Mittelpunkt steht,
kann deshalb nur am Rande diskutiert werden. Es sei aber festgehalten,
dass der Einzelhan-delsverband in einem Schreiben an den Mönchengladbacher
Oberbürger-meister im Dezember 2005 darauf hinwies, dass
die Stadt Mönchenglad-bach bereits jetzt über ein
deutlich überdurchschnittlich großes Angebot an Einzelhandelsverkaufsfläche
pro EinwohnerIn verfügt. Einem zusätzlichen Großflächenangebot
in innerstädtischer Lage - so wie ECE das plant - sieht
der Verband mit größter Sorge entgegen.
Die nachfolgend
aufgeführten Punkte stellen also nur eine Auswahl der Fragen
dar, die im Rahmen der ECE-Planung bedeutsam sind.
a) Das
ECE-Projekt und die Wahrung und Entwicklung des historischen
Stadtkerns von Mönchengladbach
Die Innenstadt
Mönchengladbachs hat unter den Bomben des II. Welt-krieges
schwer gelitten und wurde nach 1945 recht fantasie- und lieblos
wieder aufgebaut. Den ´Rest besorgte die Mentalität
der Wirtschafts-wunderzeit, die der autogerechten Stadt den
Vorrang vor Gesichtspunkten der Identitätsbildung, Authentizität
und urbaner Lebensqualität gab. Immerhin, im Rahmen eines
städtebaulichen Wettbewerbs im Jahre 1971 wurde ein "Ideenwettbewerb
Abteiberg" öffentlich ausgelobt, um den histori-schen
Stadtkern Mönchengladbachs zu einem "Kultur- und Bildungs-zentrum"
zu entwickeln. Die vorzuschlagenden Veränderungen sollten
die unverwechselbare Charakteristik des Abteiberges berücksichtigen
bzw. steigern. Es sollte eine durch innerstädtisches Leben,
Altstadt und Moderne geprägte Atmosphäre entstehen.
Bedingung war, dass die historischen Bauten auch weiterhin die
eigentliche Stadtkrone bilden sollten. Und man fand es bedenklich,
durch weitere Akzente auf der Kuppe mit den historischen Dominanten
in Konkurrenz zu treten. Darüber hinaus war den seinerzeit
Verantwortlichen wichtig, dass im Hinblick auf den erhaltenswerten
Baumbestand und das vor allem in südlicher Richtung abfallende
Gelände (also das Gebiet des heutigen Berggartens) der
Anlage von zusammenhängenden Grünplätzen besondere
Bedeutung zukommt.
Ergebnis
des Wettbewerbs war - neben 22 weiteren eingereichten Beiträgen
- der Siegerbeitrag des Duisburger Büros Stumpf/Uplegger,
der mit 35.000 DM dotiert wurde und auf dessen Basis dann in
den folgenden Jahren das Museum Abteiberg, die städt. Musikschule,
die Volkshoch-schule, das Humanistische Gymnasium sowie weitere
Gebäude und Plätze mit den dazu gehörigen Grünanlagen
dort angesiedelt wurden.
Die nächste
Chance einer städtebaulichen Zukunftsgestaltung in größerem
Stil bot sich für Mönchengladbach-City durch das Projekt
"Stadt 2030" an, das durch Bundesmittel gefördert
wurde und um das sich Mönchenglad-bach im Jahr 2004 erfolgreich
bewarb. Im Ergebnis knüpft "Mönchenglad-bach
2030" an der bereits eingeschlagenen Richtung an und entwickelte
diese behutsam im Sinne einer "Archipunktur" weiter.
So soll z.B. der alte Gladbach am Fuße des Abteiberges
im Sinne der Wieder-Sichtbar-Machung älterer städtischer
Identitätsmerkmale aus seiner Betonröhre freigelegt
werden. Überhaupt sucht das Projekt "Mönchengladbach
2030" noch erhaltene Relikte der industriellen Entwicklung
Mönchengladbachs zum ehemaligen "Rheinischen Manchester"
als Ressource für städtische Identitäts- und
Profilbildungsprozesse attraktiv in den Blick zu rücken.
Eine Bemühung, die anderen Orts bereits von großem
Erfolg gekrönt wurde, hier aber erst in den Anfängen
steht.
Zum Beispiel
ist die typische Silhouette des Abteiberges - geprägt durch
Münsterkirche und Museum Abteiberg - ein Ergebnis der städtebaulichen
Bemühungen Mönchengladbachs der vergangenen 30 Jahre,
und diesem Erscheinungsbild wurde bislang kein anderes Modell
entgegen gesetzt. Mit der Benennung eines Teils des Berggartens
mit dem Namen des welt-berühmten Philosophen und Ehrenbürgers
von Mönchengladbach, Hans Jonas, setzte man am Abteiberg
einen weiteren sichtbaren Akzent zur Identitätsbildung
und Unverwechselbarkeit.
Das Planungsvorhaben
der ECE-Projektmanagement GmbH stellt einen spürbaren Bruch
mit der o.g. Planungsphilosophie für das Areal um den Mönchengladbacher
Abteiberg dar. Insbesondere die Berggartenvariante würde
das Erscheinungsbild des Abteiberges an seinem Fuße völlig
verändern und zudem einen starken Eingriff in die Grünanlagen
am Süd-hang zur Folge haben (zum notwendigen Abriss der
beiden Kulturein-richtungen auf diesem Gelände siehe unten).
b) Das
ECE-Projekt und das Areal um den Abteiberg als "Bildungs-
und Kulturzentrum der Stadt" und die Zukunft der städt.
Musik-schule und der Volkshochschule
Wie oben
bereits dargestellt, gehört zur Philosophie der Bewahrung
des historischen Stadtkerns von Mönchengladbach die Entwicklung
dieses Areals zu dem "Bildungs- und Kulturzentrum"
der Gesamtstadt. Die ursprünglichen Pläne konnten
bislang leider mangels finanzieller Möglich-keiten der
Stadt noch nicht zu Ende geführt werden, doch sind sie
in ihrer Zielsetzung immer noch richtig und bislang nicht durch
andere Vorstel-lungen ersetzt worden. Sollte ECE im Berggarten
sein Einkaufs- und Dienstleistungszentrum bauen, müssten
diesem großflächigen Bau die Gebäude der städt.
Musikschule, der Volkshochschule und des STEP weichen. Musikschule
und Volkshochschule wurden unter hohen städt. Finanzaufwendungen
in den 80er Jahren aus ihren Provisorien an anderer Stelle herausgeholt
und in bewusster Umsetzung des Bildungs- und Kulturauftrages
der Abteibergplanung in den Berggarten verpflanzt. Insbesondere
das Gebäude der Musikschule wurde speziell für diesen
Zweck umgebaut (Übungsräume mit Schallschutz, Konzertbühne,
Büros, Verkehrsanbindung zum ÖPNV etc.). Darüber
hinaus bietet sich im Parkgelände zwischen den beiden Gebäuden
im Berggarten Raum für öffentliche Veranstaltungen
aller Art, der im Sommer regelmäßig genutzt wird
und der an anderer Stelle in der Innenstadt nicht zur Verfügung
stünde.
Sollte ECE
tatsächlich im Berggarten bauen wollen, müsste aus
Sicht des Stadtkulturbundes auf jeden Fall die Frage des adäquaten
Ersatzes der Gebäude für Musikschule und Volkshochschule
vertraglich gesichert sein. Auf keinen Fall dürften irgendwelche
Provisorien als ´Lösung´ für eine sog.
"Übergangszeit" akzeptiert werden, die beide
Kultureinrichtungen aus langjähriger leidvoller Erfahrung
bereits kennen. Bevor ECE mit dem Bau beginnen kann, müssten
die neuen Gebäude für beide Kultureinrichtungen bezugsfertig
sein!
Sollte sich
ECE für das Areal um das ehemalige Stadttheater entscheiden,
muss von Seiten des Stadtkulturbundes auf das Versprechen der
politi-schen Parteien hingewiesen werden, an dieser zentralen
Stelle Mönchen-gladbachs wiederum ein Kulturangebot als
"dritte Säule" eines neuen Zentrums zu etablieren.
Bislang wurde von der Firma ECE zu diesem Thema noch keine Aussage
gemacht. Keinesfalls kann aber mit "Kultur-angebot"
ein irgendwie geartetes Entertainment gemeint sein, das von
gastronomischen Mietern des zukünftigen Einkaufszentrums
in ihren Lokalitäten ohne Verpflichtung und künstlerisches
Konzept durchgeführt wird.
Der Stadtkulturbund
erinnert daran, dass im Jahr 2001 im Rahmen des Engagements
der Bürgerinitiative gegen den geplanten Abriss des Stadttheatergebäudes
diejenigen Kräfte, die in der Politik für den Abriss
votierten, an dem Punkt mit den Gegnern des Abrisses überein
stimmten, dass ein regelmäßiges Kulturangebot mit
Niveau an diesem zentralen Punkt der Stadt notwendig ist und
dazu beiträgt, die City zu beleben. Gleichzeitig sollte
dieses Kulturangebot auch kulturschaffenden Vereinen und Personen
aus Mönchengladbach die Chance bieten, sich dort einem
größeren Publikum zu präsentieren.
c) Das ECE-Projekt und ein zukünftiges "Flair"
der Gladbacher Innenstadt als eine gelungene Symbiose aus Architektur,
Einzel-handel, Kulturangeboten und Grünanlagen.
"Bochum,
du bist keine Schönheit", singt Herbert Grönemeyer
in seiner bekannten Hymne auf seine Vaterstadt im Ruhrgebiet.
Das kann man sicher so auch von Mönchengladbach sagen -
auch wenn darüber noch keiner gesungen hat. Gleichwohl,
es gibt markante und schöne Gebäude und Plätze
in der Stadt, die es zwar zu einer gewissen Bekanntheit und
überregionalen Attraktivität gebracht haben, doch
sind diese allesamt nicht im engeren Sinne imagebildend für
die Gesamtstadt. Die Aufenthalts-qualität hält sich
insgesamt in Grenzen. Das gilt auch für die Mönchenglad-bacher
City. Deren Wert für einen veritablen Städtetourismus
ist - höflich ausgedrückt - unterdurchschnittlich.
Vergleichbare Städte haben es vermocht, ihre Innenstädte
nicht nur als Einkaufszonen attraktiv zu gestalten, sondern
darüber hinaus zu beliebten Zielen des Städtetourismus
zu entwickeln. ´Nur´ Einkaufsstadt zu sein ist für
die Zukunftsentwicklung einer Großstadt eindeutig zu wenig,
denn die mobilen Bürgerinnen und Bürger entscheiden
sich immer kurzfristiger, wo und bei wem sie einkaufen und wo
und bei wem sie ihre Freizeit verbringen. In diesem Zusammenhang
spielt ein vielfältiges Kulturangebot in der Stadt eine
entscheidende Rolle. Als Faustregel gilt: Die Menschen folgen
heute der Attraktivität eines Angebotes. Und in dieser
Angebotskonkurrenz muss jede Stadt mithalten können, sonst
bleibt sie über kurz oder lang ´links liegen´.
Man könnte
nun sagen, dass gerade die Ansiedlung eines großflächigen
Einkaufszentrums in der Innenstadt eine besondere Attraktivitätssteigerung
für die Menschen aus dem Umland darstellt und deswegen
genau dieses der richtige Schritt in die Zukunft darstellt.
Das kann aber nur gelten, wenn derartige Zentren nicht auch
in den Nachbarstädten entstehen. Sonst würde der positive
Effekt schnell verpuffen. Weiteres "Aufrüsten"
müsste dann die konsequente Folge sein, um als Standort
mithalten zu können. Das gleiche gilt auch für die
sogenannte Events im Kulturbereich, die als kurzfristig hell
leuchtende "Strohfeuer" wahrgenommen werden und dann
schnell erlöschen. Neue Events müssen dann für
viel Geld aufgezogen werden, will man nicht in Vergessenheit
geraten.
Langfristig
gesehen hat es sich als sinnvoll erwiesen, als Stadt an einer
systematischen Entwicklung des eigenen Images zu arbeiten. Dazu
ist ein ganzes Bündel geeigneter Maßnahmen zu ergreifen;
wir weisen hier nur auf die Kultur als ein Angebot hin, das
besonders geeignet ist, die Identifikation mit einer Stadt zu
fördern und die Menschen an ihre Stadt zu binden. Mönchengladbach
ist diesen Weg leider nie konsequent gegangen. "Kultur"
wurde hier nie offiziell als ein Baustein der Stadtentwicklung
betrachtet bzw. als ein solcher verwendet. Die Stadt begnügt
sich mit einer "kulturellen Grundversorgung". Dass
das dann auch so wahrgenommen wird, zeigt folgendes aktuelles
Beispiel: Die Zeitschrift "Wirtschaftswoche" veröffentlichte
z. B. in ihrer Ausgabe Nr. 27 vom 13.7.2006 einen der mittlerweile
beliebten Städtevergleiche - neudeutsch "Ranking"
genannt. In den untersuchten und miteinander verglichenen 50
deutschen Städten wurde auch nach der Zufriedenheit bei
Wirtschaftsbossen mit den lokalen Kultur- und Freizeiteinrichtungen
gefragt. Mönchengladbach landete mit 58,5 Punkten nur auf
Platz Nr. 47 knapp vor einer Stadt wie Herne. Weit oben auf
der Rangskala dagegen liegt mit 93.8 Punkten eine Stadt wie
Münster auf Platz drei. Münster hat auch nicht mehr
Einwohner als Mönchengladbach. Warum wird Kultur in Mönchengladbach
so tief gehängt? In Münster hat man sich übrigens
vor kurzem gegen die Ansiedlung eines großen Einkaufszentrums
in der Innenstadt entschieden.
Die Attraktivität
einer Stadt besteht in ihrer Anziehungskraft auf die Menschen.
Und diese wird gespeist durch zahlreiche "Einzelattraktionen",
die in ihrer Mischung eben so gelungen sein muss, dass darin
Unverwech-selbarkeit angelegt ist und dass daraus das berühmte
"Flair" einer Stadt entsteht, das die Menschen erleben
wollen, wenn sie in eine bestimmte Stadt kommen. Als Attraktionen
kommen z.B. die gebaute Umwelt - also die Architektur, das Einzelhandels-,
Gastronomie- und Kulturangebot sowie die städtischen Plätze
und Parks infrage. Einkaufen kann man heutzutage fast überall,
doch die Menschen wenden sich dort hin, wo sie sich wohl fühlen,
wo sie Anregung erfahren und wo sie auch gesehen werden wollen.
Der allerorten beschworene "Erlebniseinkauf" ist immer
auch ein Akt der Selbstinszenierung der Bürgerinnen und
Bürger. Dafür sucht man sich das geeignete Terrain
- unverwechselbar eben.
Zuletzt
sei unter diesem Punkt noch auf eine Bemerkung hingewiesen,
die im Gutachten des Einzelhandelsverbandes zu "Innerstädtischen
Einkaufs-zentren" vom September 2005 zu finden ist. Dort
wird u. E. zu Recht von einem "Primat für die gewachsene,
unverwechselbare Innenstadt euro-päischen Stils" gesprochen.
Die Stadt europäischen Stils ist die Stadt der politisch
über ihre eigenen Angelegenheiten entscheiden-den Bürger(-gruppen)
und die Stadt der gewachsenen Innenstädte mit ihrer Nutzungs-vielfalt
aus Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Kultur, Verkehr usw. Diese
Innenstädte, wie sie unserem Traditionsverständnis
entsprechen, sind Räume öffentlichen Charakters; stehen
offen für gesellschaftliches Handeln aller Bürgerinnen
und Bürger und sind keine privatisierte Sphäre unter
der Regie eines Großinvestors. Wir sollten mit Skepsis
auf alle Versuche reagieren, die historisch entstandene Unverwechselbarkeit
zugunsten einer nichtöffentlichen, anonymen und monofunktionalen
Großstruktur aufzugeben.
Das ECE-Projekt
fordert die Stadt Mönchengladbach und ihre Bürgerinnen
und Bürger heraus, jetzt über ihre Zukunft gründlich
nachzudenken!
Die Ansiedlung
eines großflächigen Einzelhandels- und Dienstleistungs-zentrums
in der Mönchengladbacher Innenstadt wird sich - an welchem
genauen Standort auch immer - in vielerlei Hinsicht auf die
Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Stadt auswirken und diese
verändern. So gut wie kein wichtiger Bereich wird davon
ausgenommen bleiben und auch die Zukunft wird sich an diesen
einmal ´vollendeten Tatsachen´ zu reiben haben (die
Stichworte sind hier "Wanderungsbewegung" und "demographi-scher
Faktor"). Ebenso wird ein solches Zentrum das Verhältnis
der Mönchengladbacher City zu den Nebenzentren in Mönchengladbach,
insbesondere zu Rheydt neu definieren. Alle diese Fragen sind
zurzeit ungeklärt. So ist z.B. die Frage noch offen, für
welche konkrete Funktions-bestimmung die Innenstadt von Rheydt
steht, nachdem man sich kürzlich offiziell von der "Zweipoligkeit"
der Stadt Mönchengladbach verabschiedete. Die Ideologie
der gleichberechtigten Zweipoligkeit zwischen Mönchenglad-bach
und Rheydt hatte in den vergangenen 30 Jahren die Funktion,
den schwierigen Zusammenschluss der beiden Städte zu erleichtern.
Nun aber ist der Zeitpunkt da, dies im Sinne einer sinnvollen
Funktionsabstufung zugunsten eines Zentrums zu ändern -
und dies gilt für die weiteren Neben-zentren der Stadt
ebenso. Ob dieser Prozess nun quasi naturwüchsig - also
ungeplant und politisch undiskutiert - entlang einer anonymen
Markt- und Machtlogik abläuft oder zusammen mit den Bürgerinnen
und Bürgern kommuniziert wird, das ist jetzt die Frage!
Das ECE-Projekt
stellt im Hinblick auf die Zukunft der Stadt Mönchenglad-bach
eine ernste Herausforderung dar. Mit diesem Projekt werden existentielle
Fragen aufgeworfen, die von Seiten des Stadtkulturbundes mit
dem Stichwort notwendige Profilveränderung versucht werden,
zu charak-terisieren. Was will Mönchengladbach in der Zukunft
sein: Einkaufsstadt, Sportstadt oder auch Kulturstadt? Diese
Fragen können nur im Rahmen eines - wie wir meinen - "öffentlichen
Nachdenkens" zusammen mit möglichst zahlreichen interessierten
Bürgerinnen und Bürgern Mönchen-gladbachs beantwortet
werden. Es gibt dafür einige erprobte Verfahren, z.B. die
"Zukunftswerkstätten", die leider in Mönchengladbach
allesamt keine Tradition besitzen. Einzig das Projekt "Mönchengladbach
2030" wurde in jüngster Zeit als lokales Forum für
Zukunftsvisionen genutzt. Nur, drin befindet sich für ein
Projekt wie das von ECE zurzeit geplante kein Platz!
Der Stadtkulturbund fordert klare und mit allen Beteiligten
abgesprochene Bedingungen, unter denen der Investor ein Handels-
und Dienstleistungszentrum realisieren kann.
Es kommt dem Stadtkulturbund aufgrund seiner satzungsgemäßen
Aufgaben nicht zu, sich grundsätzlich für oder gegen
die Ansiedlung eines Projektes wie das von ECE geplante öffentlich
zu äußern. Wohl aber wird er sich um die damit in
kultureller Hinsicht in Verbindung stehenden Fragen kümmern.
Es handelt sich in erster Linie um nachfolgende: