Westdeutsche Zeitung, Seite Mönchengladbach, 11.9.2004
Altes Theater könnte zurück an die Kultur
Der Stadtkulturbund fühlte vier Oberbürgermeister-Kandidaten
auf den Zahn. Die waren sich sogar einmal einig - beim Thema Theatertor
nämlich.
Von Armin Kaumanns
"Wenn HBB das Theatertor nicht realisiert, muss
einer schnellstens die Reißleine ziehen. Und dann gehört das ehemalige
Schauspielhaus zurück an die Kulturverwaltung." Diese Worte fand
Norbert Bude beim kommunalpolitischen Treffen der OB-Kandidaten
in Sachen Kultur im BIS-Zentrum, zu dem der Stadtkulturbund eingeladen
hatte. Das überraschende an der Aussage aber war, dass die Worte
des SPD-Kandidaten bei seinen drei Mitbewerbern auf ungeteilte
Zustimmung stieß. CDU-Mann Wimmers hatte zuvor davon gesprochen,
bei einem Scheitern des Vorhabens dürfe man "nicht auf einen dritten
Bewerber springen", und man müsse dafür sorgen, dass "hier in
irgendeiner Weise etwas stattfindet". "Wir sind eh schon eine
Lachnummer im Land", unterstrich Bude die Worte seines Konkurrenten.
Mit Karl Sasserath (Grüne) und Anno Jansen-Winkeln (FDP) waren
sich beide allerdings auch einig, dass das Kreativität der Stadtverwaltung,
was die unbürokratische Einrichtung einer Bus-Trasse fürs Nordparkstadion
angehe, auch auf den kulturpolitischen Bereich sich ausdehne.
Karl Boland hatte für den Einlader Stadtkulturbund den Begriff
Richtlinienkompetenz ins Zentrum seiner Einführung gestellt, in
der er die Weichen stellen wollte für ein Auf-den-Zahn-Fühlen
der potenziellen ersten Bürger der Stadt. So saßen die vier Kandidaten
der Ratsparteien auf dem Podium im BIS-Zentrum, zwei links, zwei
rechts der Moderatorin Sabine Hänisch, und sahen sich mit kurzen,
präzisen Fragen und kurzen, äußerst widerspruchsfreudigem Publikum
konfrontiert. Viele Themen kamen auf den Tisch, und keiner der
Kandidaten blamierte sich auf dem glatten Parkett Kultur. Man
divergierte sachlich nicht sehr, deutlicher im Temperament. So
verwies Anno Jansen-Winkeln (FDP) so smart wie ausdauernd darauf,
er werde als OB die Kulturlandschaft der Stadt allenfalls bewahren,
die Kassenlage ließe mehr nicht zu: "Wer mehr verspricht, lügt."
Sein Nachbar, Stefan Wimmers (CDU), ließ sich da schon mehr auf
Details ein, als er - mit den Füßen wippend - Kultur als Standortfaktor
würdigte. Er will den Musikbunker stärken, eine private Sammlung
in den Abteiberg holen und so den zweiten Bauabschnitt des Museums
ermöglichen. Und er mag im Stil von Bochum ein "Mönchengladbach
total" realisieren, bei dem an einem Wochenende alle Kulturtreibenden
mit ihren Aktionen die Stadt auf den Kopf stellen. Als Referenz
an den Gastgeber wolle er als OB den "Doppelpass mit dem Stadtkulturbund"
spielen. Norbert Bude (SPD) kam konzentriert und verbindlich rüber.
Er wolle die Kultur der Stadt in Bewegung halten, Repräsentationstermine
aus dem Rathaus in die Kulturinstitute verlegen und die MGMG stärker
ins Konzert der Stadt einbinden. Kritischer ging da schon Grünen-Kandidat
Sasserath, der sich unentwegt Notizen machte, mit der MGMG ins
Gericht, der er "manchmal eine Nähe zur Verblödung" nachsagte.
Die städtische Marketing-Gesellschaft müsse ebenso wie andere
"Satelliten" enger an ein Gesamtkonzept vernetzt werden.