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Protokoll über die Podiumsdiskussion am 9. September 2004 im BIS
Beginn: 19.00 Uhr Ende: 21.00 Uhr

Einleitung:
Der Vorsitzende des Stadtkulturbundes, Karl Boland M.A., eröffnet die Podiumsdiskussion und begrüßt zunächst die Gäste, insbesondere die vier Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters. Auf das Podium wurden nur die Kandidaten geladen, die von den im Rat vertretenen Parteien nominiert worden sind. Die weiteren OB-Kandidaten sind gebeten, sich aus dem Plenum heraus an der Diskussion zu beteiligen. Der Oberbürgermeister hat seit fünf Jahren - nach der Änderung der nordrhein-westfälischen Gemeindeordnung - eine wesentlich gestärkte Stellung; er vereinigt die Aufgaben des bisherigen Oberbürgermeisters als Vorsitzender des Rates und des bisherigen Oberstadtdirektors als Leiter der Verwaltung. Als Vorsitzender der Verwaltungskonferenz hat er hier eine herausgehobene Stellung, so dass man von einer Art Richtlinienkompetenz sprechen kann. In der jetzt auslaufenden Amtszeit der ersten hauptamtlichen Oberbürgermeisterin dieser Stadt wurde die Wahrnehmung dieser Funktion nicht hinreichend deutlich, zumindest nicht in der Öffentlichkeit.
Nicht zuletzt deshalb hat der Stadtkulturbund die OB-Kandidaten eingeladen, sich ausgehend von den "Prüfsteinen zur kommunalen Kulturpolitik" dazu zu äußern, ob und wie sie aus ihrer starken Stellung heraus die Kultur in Mönchengladbach weiter entwickeln und fördern wollen.
Karl Boland dankt Frau Sabine Hänisch (Kulturredakteurin der WZ in Krefeld), dass sie es übernommen hat zu moderieren. Nach einer kurzen Begrüßung durch Frau Sabine Hänisch erfolgt der Einstieg in die konkreten Themenkomplexe.

Podiumsdiskussion Frau Hänisch fragt die vier Kandidaten: Welches war Ihr persönliches kulturelles Highlight in den letzten Monaten?
Herr Wimmers (CDU): Eine sehr persönliche Führung des Herrn Professor Mack vor zwei Monaten.
Herr Sasserath (Bündnis 90/Die Grünen): Der Besuch des jüdischen Museums in Berlin mit einer Ausstellung von Daniel Liebeskind.
Herr Bude (SPD): Der Besuch eines Konzertes des Thomanerchors in Mönchengladbach. Dieser Besuch bedeutete für mich 1 ½ Stunden vom Alltag abschalten und Kultur genießen.
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP): Der Besuch des Sprengel-Museums in Hannover.
Gast aus dem Publikum: Die Antworten der vier Kandidaten sind bezeichnend für die kulturelle Situation in Mönchengladbach: Abgesehen von dem hier ansässigen Künstler Mack stammt keines der Glanzlichter aus einer Mönchengladbacher Produktion.
Frau Hänisch: In Krefeld haben sich die Kulturinstitute zu der Initiative "Kultur macht reich" zusammengefunden. Ist das für Sie nur ein Wortspiel, oder können Sie es auch inhaltlich füllen, d.h. ist Kulturförderung auch Wirtschaftsförderung? Wie wichtig ist Kultur für eine Stadt wie Mönchengladbach? Herr Sasserath (Bündnis 90/Die Grünen): Ja. Ich denke, Kultur schafft Toleranz, Integration, soziale Bindung und Kommunikation. Kultur macht reich. Das ist ein Punkt, der in Mönchengladbach bisher nicht gewürdigt worden ist. Ich erhoffe mir jedoch Impulse vom neuen Kulturbüro. Kulturförderung kann und soll mit Wirtschaftsentwicklung vernetzt werden. Dies müssen wir hier aufgreifen.
Herr Bude (SPD): Kultur macht reich (KR) hat zweierlei Bereiche. Kultur ist zunächst einmal eine Bereicherung meines Lebens. Mit Kultur beschäftigen macht reich. Kultur ist darüber hinaus für mich ein harter Standortfaktor.
Herr Wimmers (CDU): Dem gibt es nicht so ganz viel hinzuzufügen. Kultur ist ein wichti ger Standortfaktor, ob hart oder weich. Kulturelle Veranstaltungen erhöhen die Besucherzahlen der Stadt, es werden Übernachtungen gebucht usw. Je mehr in einer Stadt los ist, desto besser ist es für die Wirtschaftsförderung. Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP): Ich möchte widersprechen. Ich meine, hier wird deutlich zu hoch gegriffen. Kultur gehört natürlich zum Bildungsauftrag einer Stadt und kann einen Wirtschaftsstandort in einem angemessenen Verhältnis ab- runden. Dass Kultur auch die Wirtschaft fördert, ist nirgendwo verifiziert.
Frau Hänisch: Wenn Sie Oberbürgermeister werden, wie sieht denn die Mönchen- gladbacher Kulturlandschaft in fünf Jahren aus?
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP): Wenn es nach mir geht, werden wir kulturelle Standards halten können. Wir haben ein gutes Orchester und eine hervorragend arbei tende Musikschule. Ich habe fünf Kinder und bin genau für diesen Bildungsauftrag besonders dankbar. Wir haben eine annehmbare Museenlandschaft. Nichts desto trotz könnte an der Kulturlandschaft noch gearbeitet werden, aber das Finanzdiktat wird es nicht erlauben.
Frau Hänisch: Alles bleibt, wie es ist?
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP): Ich werde darum kämpfen, dass es bleibt, wie es ist.
Herr Wimmers (CDU): Zum einen hadern wir hier mit einem Gegeneinander der freiwilligen Leistungen. Das drückt sich in dem zitierten 4 : 0 für den Sport und gegen die Kultur aus. Sport und Kultur sind beides freiwillige Leistungen, die von der Fachaufsicht vorgegeben werden. Es wäre sinnvoll, hier nicht ein Gegeneinander, sondern ein Miteinander zu avisieren. Wir haben eine Kulturlandschaft, die sich nicht verstecken muss. Ich denke an die Konzertreihen, den Skulpturenpark und vieles andere mehr. Wünschenswert wäre es, wenn der Stadtkulturbund für Politik und Verwaltung Ansprechpartner wäre für kulturelle Angelegen-heiten - wie es der Stadtsportbund ist - und wenn wir in Zukunft enger zusammenarbeiten und gemeinsam erarbeitete Projekte auch gemeinsam umsetzen würden. Zu solchen regelmäßigen Gesprächen mit dem Stadtkulturbund bin ich bereit.
Herr Bude (SPD): Wenn ich die kulturellen Veranstaltungsziele für 2004 lese, dann muss ich sagen, die Kultur ist in Bewegung. Es ist kein Stillstand da. Als Oberbürgermeister werde ich das unterstützen, was sich die einzelnen Institute an Zielen gesetzt haben. Ich glaube auch, dass es besser ist, die klassischen Veranstaltungen nicht nur im Rathaus stattfinden zu lassen, sondern in den jeweiligen kulturellen Ein- richtungen, also sozusagen vor Ort. In vielen Dingen wird bei Kultur zwar von "Chefsache" gesprochen, aber man ist auch an bestimmte Richtlinien gebunden. Wir müssen über die finanzielle Ausstattung der beiden Museen nachdenken. Aber ich denke, was bisher schon begonnen hat, funktioniert auch, z. B. finanzielle Unterstützung durch Sponsoren. Hier ist noch mehr machbar.
Herr Sasserath (Bündnis 90/Die Grünen): Kultur würde schon "Chefsache", jedoch nicht in dem Sinne, dass Herrn Rombey etwas weggenommen würde. Wichtig ist u. a. die Frage, was an Kulturpolitik läuft, z. B. Stadttheater, Schlossmühle. Kultur ist nicht nur Grundversorgung. Ich würde konkret mit dem Kulturausschuss einen Kulturentwicklungsplan aufstellen unter Einschluss aller Kulturinstitutionen, die es in Mönchengladbach gibt. In diesem Plan sollen alle mittelfristigen Ziele niedergelegt wer-den. Dieser Plan würde dann dem Rat vorgelegt. Ich würde weiterhin konkret dafür sorgen, dass das Kulturbüro eine ähnliche Funktion bekäme wie die EWMG oder die MGMG.
Herr Professor Edler: Von dem Dezernat des Herrn Rombey ist im Jahr 2002 ein Kulturplan unter der Bezeichnung "SkulPtur-Plan 2003 plus" erarbeitet worden. Er durfte nicht veröffentlicht werden. Würde sich das wiederholen, wenn Sie Vorsitzender der Verwaltungskonferenz sind?
Herr Sasserath Bündnis (90/Die Grünen): Ein einmaliger Vorgang, der nicht nachvollziehbar ist.
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP): Ich muss sagen, ich bin in dem Vorgang nicht involviert. Wenn jedoch im Abstimmungsprozess Sachen gegeneinander laufen, dann kann so etwas passieren. Wenn die Oberbürgermeisterin dann sagt - und die hatte die Verantwortung - das es "Chefsache" ist, dann muss der Chef auch mal sagen können, dies geht nicht raus.
Herr Wimmers (CDU): So ein Vorgang spricht nicht für die Homogenität im Team. Wenn etwas erarbeitet ist, hat sich das Gremium über das Ergebnis zu unter- halten. Alles andere ist Selbstbeschäftigung.
Herr Bude (SPD): Fakt ist, dass der SkulPturplan 2003 ein Ziel hatte. Er ist intern kräftig diskutiert worden. Es ist nicht nachvollziehbar, warum dieser Plan nicht zur Verfügung gestellt worden ist. Ich habe kein Ver-ständnis für diese Geheimniskrämerei. Ich bin deshalb umso froher, dass eine Neuorganisation des Kulturdezernates stattgefunden hat mit einer starken Eigenverantwortlichkeit der Fachbereiche. Die Schaf-fung des Kulturbüros ist eine wichtige Errungenschaft. Eines der Hauptziele des Kulturbüros ist die Entwicklung eines kulturellen Gesamtkonzeptes.
Herr Boland: Das Kulturbüro fabriziert Visionen. Wie sieht es mit dem materiellen Hintergrund aus? Wie können die Dinge vom Kulturbüro in Taten umgesetzt werden? Gibt es Vorstellungen, wie dies unter die Leute kommt und wirksam wird?
Herr Bude (SPD): Es muss ein kulturelles Gesamtkonzept erstellt und auch umgesetzt werden. Wir sind am Anfang, wenn wir ein kulturelles Gesamtkonzept in Auftrag geben. Dann muss ich auch als zukünftiger Oberbürgermeister den Rat in seiner Verantwortung Ernst nehmen und einfordern.
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP): Fakt ist, der Alltag sieht anders aus. Jedes kulturelle Ding, was umgesetzt wird, muss irgendwann irgendwo etatisiert werden, sich also im Haushaltsplan niederschlagen. Es muss auch vorher entsprechend abgestimmt werden. Dies sollte schon beim Chef in der Verwaltung liegen.
Herr Bude (SPD): Das Kulturbüro hat die Aufgaben "Machbarkeit und Umsetzung" als Gesamtauftrag.
Herr Sasserath (Bündnis 90/Die Grünen): Es gibt in Mönchengladbach bestimmte Bereiche, die zusammengehören. Die EWMG als Entwicklungsgesellschaft erhält etwa 2/3 der Dividenden der NVV AG - fünf bis zehn Millionen € -, die bisher die Stadt Mön-chengladbach als Anteilseigner erhalten hat. Es ist also eine Frage der politischen Bewertung, wie man Ressourcen schafft und einsetzt. Auch das Projekt "Schlossmühle" war von einer solchen Bewertung betroffen, so das eine Förderung durch die Landesregierung an Mönchengladbach vorbeigegangen ist.
Frau Hänisch: Wie kann sich Mönchengladbach im Kulturbereich und durch die Kultur Profilschärfe geben? Was muss man stärken?
Herr Sasserath (Bündnis 90/Die Grünen): Es gibt vieles, was die Stadt unverwechselbar macht. Ich denke hier an die Musikschule, die hervorragende Leistungen erbringt. Die Stadt Mönchengladbach hat kulturelle Ressourcen, die wir viel stärker nutzen werden. Man muss mit diesem Kapital auch entsprechend umgehen. Dies ist ein Aspekt, den ich als Oberbürgermeister anpacken würde. Die Studie Mönchengladbach 2030 macht deutlich, dass im Kulturbereich, insbesondere auch für Jugendliche, noch einiges getan werden muss. Die Stadt muss kulturell zukunftsfähig werden.
Gast aus dem Publikum: Könnte man einen Teil der Schlossmühle für diesen Zweck reservieren?
Herr Sasserath (Bündnis 90/Die Grünen): Es ist zu überlegen, ob eine Halle, wo man Textilmaschinen auf- stellen will, diesen Anforderungen gerecht wird.
Herr Wimmers (CDU): Wir haben mehrere große Bereiche für junge Leute. Zunächst einmal die Musikschule, dann den Musikbunker neben dem Bahnhof in Mönchengladbach. Darüber hinaus haben wir die Kleinkunstbühnen "Die Spindel" neben der Erholung und das "Rote Krododil" in Wickrath. Dies wird jedoch von der breiten Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Das Museum soll auf jeden Fall erweitert werden. Wichtig ist natürlich, dass man auch gute Privatsammlungen bekommt, die in das Museum kommen. Ich denke hier an die Sammlung "Rheingold". Mit einer solchen Sammlung könnte man auch etwas Druck machen, um an finanzielle Mittel zu kommen. Wir müssen die Bürger überzeugen, dass das Museum gut ist für die Stadt. Wir reden immer noch darüber, diesen Bau zu verteidigen. Solange diese Vorbehalte in sehr sehr breiter Dichte und hoher Intensität immer wieder vorgetragen werden, werden wir nicht weiterkommen. Gast aus dem Publikum: Beim Tag der offenen Tür im Museum waren 600 bis 700 Leute. Es ist doch eine gute Plattform, um Einkaufserlebnis mit Kultur zu verbinden. Die Verbindung von Kunst und Einkaufserlebnis in der Innenstadt ist auch ein Mittel, um die Randlage des Museums zu verändern und mehr zur Integration des Museums beizutragen. Von daher kann der Art Saturday nur begrüßt werden.
Herr Boland: Beim Art Saturday sind die scharfen Grenzen aufgehoben worden. Das kam vom City-Management. Wir nehmen alles auf, was interessant ist, um eine projektbezogene Zusammenarbeit massiv mit voranzutreiben. Das kann eine lange Museumsnacht sein. Man könnte die Stadt hell erleuchten lassen und das ganze Umfeld einladen.
Herr Wimmers (CDU): "Mönchengladbach total". Das kostet Geld und ist auch eine logistische Herausforderung. Der Versuch dürfte es wert sein und muss es wert sein. Man muss darüber nachdenken. Die Idee eines "Mönchengladbach total" finde ich faszinierend.
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP): Ich persönlich glaube nicht, dass die Dinge so gut laufen, wenn die Stadt Träger ist. Es muss aus dem bürgerlichen Bereich kommen. Nur dann kann die Sache funktionieren. Eine Vernetzung scheint angesagt. Auch hier brauchen Sport und Kultur nicht als Konkurrenz aufzutreten. Durch Privatisierung bestehen gute Chancen, die Sache mit Leben zu erfüllen.
Herr Forst: Herr Jansen-Winkeln, Sie haben gesagt, nach ihren Visionen haben sie kein Geld für mehr Kultur. Sie fordern jetzt jedoch, mehr Geld für Straßenerhaltung auszugeben, als für die Kultur. Man könnte ja manche Straße liegenlassen!
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP): Fakt ist, dass die Kultureinrichtungen nicht gnadenlos weggebrochen worden sind. Die FDP und CDU haben immer zu den Kultureinrichtungen gestanden. Ich habe nicht gesagt, ich will keine Kultur, ich habe gesagt, ich will den Standard der jetzigen Kultur erhalten. Die Schlossmühle zu erhalten ist rosarot und vollkommen unrealistisch. Wir müssen die Möglichkeiten nutzen, die die Privatisierung uns gibt; das sind Wege, die wir angeleiert haben. Ich denke, wir sind auf keinem schlechten Weg, den Standard zu erhalten.
Ein Gast aus dem Publikum bemängelt, dass es keinen ausreichenden Museumsführer gibt, der erläutert, wenn man etwas nicht versteht. Ferner wird kritisiert, dass man die Oberbürgermeisterin zu wenig im Theater sieht, dafür aber umso mehr bei Karnevalsveranstaltungen.
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP): Das Museum hat Nachholbedarf. Im Sprengel-Museum in Hannover gibt es ein Kassettenführungssystem. Man kann eine spezielle Führung für un-terschiedliche Altersklassen der Kinder bekommen.
Herr Bude (SPD): Es gibt eine Reihe von Veranstaltungen, mit denen Mönchengladbach sich profilieren kann. Ich denke an das ausverkaufte Konzert in der St. Laurentius Kirche in Odenkirchen. Ein zweiter Punkt ist die Frage der Vernetzung. Wie können wir Ressourcen nutzen? Als Beispiel führe ich hier das Eine-Welt-Musik- fest und das Musikschulfest an. Hier fand eine gemeinsame Nutzung der technischen Einrichtungen statt. Der letzte Aspekt ist, dass ich es für ganz wichtig halte, dass die bestehenden Einrichtungen und die MGMG eng zusammenarbeiten.
Herr Sasserath (Bündnis 90/Die Grünen): Ich hätte es gut gefunden, wenn zur Eröffnung des Nordparks die Niederrheinischen Sinfoniker gespielt hätte.
Herr Wimmers (CDU): Sinfoniker gehören wegen der Akustik nicht in ein Stadion.
Herr Wolfgang Dreßen: Beim Fest auf der Brucknerallee wurde mit gutem Erfolg sehr viel Publikum auf die Straße geholt. Ich habe das als Privater gemacht. Man konnte erstaunt sein, wie Kultur gefördert wird. Ideen müssen aus der Bürgerschaft kommen, und wenn sie da sind, sollten sie von der Stadt oder sonstigen kulturellen Einrichtungen unterstützt werden.
Frau Forst: Ich möchte nur ganz konkret nach dem Festival "Ensemblia" fragen. Ich möchte wissen, ob das Festival eine Planungssicherheit bekommt.
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP): Es gibt einen Ratsbeschluss zu dem Thema. Auf einem gewissen Level wurde eine Fortführung beschlossen. Insofern sehe ich für die nächsten Jahre keine Probleme. Ein weiterer Gast aus dem Publikum kritisiert, dass Kultur in Mönchengladbach besser gemanagt werden muss. Er selbst sei betroffen. Vor über einer Woche sei be-reits der Plan herausgekommen, wo man Karten bestellen könnte, aber Karten gäbe es noch nicht.
Frau Hänisch: Wir haben von Traumprojekten gesprochen. Wir haben jedoch ein Projekt, das mittlerweile schon ein Albtraum geworden ist, näm-lich das Stadttheater an der Hindenburgstraße.
Herr Wimmers (CDU): Zur Zeit herrscht Ruhe zwischen den Vertragspartnern, so das man davon ausgehen muss, dass der Projektentwickler den Ankermieter nicht gefunden hat, und infolge fehlenden Ankermieters ist so ein Projekt nicht zu stemmen. Wir müssen dann versuchen, diese Geschichte aufzubrechen und zu einem juristischen Ende zu führen. Wenn das Projekt Stadttor gescheitert ist, kann man das nicht noch einmal mit einem dritten Bewerber versuchen. Dann müssen wir dafür sorgen, dass in dem Haus in irgendeiner Weise etwas stattfindet.
Frau Hänisch: Das Projekt ist ein großer Klotz am Bein. Wie wollen Sie das Problem angehen und eine kulturelle Nutzung sicherstellen?
Herr Sasserath (Bündnis 90/Die Grünen): Wir haben uns schließlich für das Otten-Modell ausgesprochen, weil dieses Modell einen großen Anteil an kultureller Nutzung vorsieht. Wir haben gedacht, wir stoßen den Prozess an, damit der kulturelle Bereich erhalten bleibt. Es sind jedoch noch eine Reihe von juristischen Fragen zu klären.
Herr Bude (SPD): Wir haben viele Jahre einiges ausprobiert. Wir müssen einen Schnitt machen. Je weiter sich das Projekt hinzieht, desto mehr schadet es dem Ruf von Mönchengladbach. Wir sind eh schon eine Lachnummer im Land. Otten hat ein gutes architektonisches Konzept vorgelegt. Die kulturelle Nutzung gehört auf jeden Fall dazu.
Herr Binici (Betreiber der Spindel): Ich habe mit verschiedenen Investoren gesprochen. Kultur könnte dort auch realisiert werden, wenn man will, vor allem auch eine Kleinkunstbühne. Im Januar 2005 hat "Die Spindel" ihr zehnjähriges Jubiläum. Es soll eine große Feier werden. Ich habe mir vorgestellt, einen Kabarettpreis für Mönchengladbach ins Leben zu rufen.
Herr Forst: Vom ehemaligen Schauspielhaus wird behauptet, es sei in einem fürchterlichen Zustand. Aber Jahr für Jahr findet dort die Karnevalsveranstaltung der Rheinischen Post statt. Warum kann dieser Raum nicht auch anderweitig genutzt werden, in den anlässlich der Theatererweiterung noch Millionen investiert worden sind. Ich bin anläßlich der letzten Ensemblia noch in diesem Haus gewesen. Das Schultheaterfestival würde sich freuen, dieses Haus noch nutzen zu können, und auch die Schulen könnten dort arbeiten.
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP): Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Es sind die Räume der Black-Box, die genutzt werden, aber das gesamte Haus würde dem jetzt geforderten Brandschutz nicht entsprechen. Meine Vision ist immer noch, das Otten-Modell umzusetzen. Das ist aus meiner Sicht für diesen Standort ein Schub nach vorn. Wenn das nicht praktikabel ist, werden wir einen Stillstand in dieser Sache bekommen.
Herr Wimmers (CDU): Gestatten sie mir die Bemerkung, dass auch der Karneval zum Kulturangebot gehört, es ist ein Winterbrauchtum. Das Problem ist im Moment, dass überall, vor allem auch in den großen Städten, Gebäude leer liegen. Düsseldorf hat z. B. mehr Büroleerstände als es in Mönchengladbach Bürofläche gibt. Im Moment kann auf jeden Fall im Stadttheater keine vernünftige größere Veranstaltung stattfinden.
Herr Bude (SPD): Ich denke, wenn wir erkennen, dass das Projekt Stadtfenster weiterhin nicht umgesetzt wird, dann sollte man das Haus dem zurückgeben, der viel besser entscheiden kann; nämlich der Kulturverwaltung. Man kann von keinem Liegenschaftsbeamten erwarten, sich unter kulturellen Gesichtspunkten für ein Projekt zu entscheiden.
Herr Boland: Wir nutzen unsere Plätze in der Stadt nicht für kulturelle Zwecke, es sei denn, für die Kirmes. Ich denke hier z. B. an den Platz vor der "Erholung". Dieser Platz ist ein Juwel. Es gibt in der Stadt mehrere Plätze, die hervorragend für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden könnte.
Herr Professor Edler: Für die Anlage der Busspur zum Transport der Sportbegeisterten zum neuen Borussenstadion hat die Stadtverwaltung schnell und ohne entsprechende Formalitäten reagiert. Darauf kann die Stadt stolz sein. Könnte die Stadtverwaltung unter Leitung einer der Kandidaten auch so schnell reagieren, wenn es um kulturelle Projekte ginge? Was ich vermisse ist, das Profil dieser Stadt mit einer industriegeschichtlichen Dimension zu entwickeln. Die Schlossmühle wäre dafür geeignet gewesen. Das Ruhrgebiet entwickelt aus ihrer industriellen Vergangenheit eine große Attraktivität.
Frau Hänisch: Wir wollen das als Denkanstoss stehen lassen.

Frau Hänisch bedankt sich zum Abschluss der Podiumsdiskussion ganz herzlich bei den Kandidaten und beim Publikum.

Der Stadtkulturbund dankt Frau Gisela von Otten sehr herzlich für ihre stenografischen Notizen, deren Niederschrift die Grundlage für diese Protokoll ist. Endredaktion: Günther Edler

Vereinigung von freien Kulturinitiativen und Kulturfreunden in Mönchengladbach

Stadtkulturbund Mönchengladbach e.V.
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41063 Mönchengladbach