Protokoll über die Podiumsdiskussion
am 9. September 2004 im BIS
Beginn: 19.00 Uhr Ende: 21.00 Uhr
Einleitung:
Der Vorsitzende des Stadtkulturbundes, Karl Boland M.A., eröffnet
die Podiumsdiskussion und begrüßt zunächst die Gäste, insbesondere
die vier Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters. Auf das
Podium wurden nur die Kandidaten geladen, die von den im Rat vertretenen
Parteien nominiert worden sind. Die weiteren OB-Kandidaten sind
gebeten, sich aus dem Plenum heraus an der Diskussion zu beteiligen.
Der Oberbürgermeister hat seit fünf Jahren - nach der Änderung
der nordrhein-westfälischen Gemeindeordnung - eine wesentlich
gestärkte Stellung; er vereinigt die Aufgaben des bisherigen Oberbürgermeisters
als Vorsitzender des Rates und des bisherigen Oberstadtdirektors
als Leiter der Verwaltung. Als Vorsitzender der Verwaltungskonferenz
hat er hier eine herausgehobene Stellung, so dass man von einer
Art Richtlinienkompetenz sprechen kann. In der jetzt auslaufenden
Amtszeit der ersten hauptamtlichen Oberbürgermeisterin dieser
Stadt wurde die Wahrnehmung dieser Funktion nicht hinreichend
deutlich, zumindest nicht in der Öffentlichkeit.
Nicht zuletzt deshalb hat der Stadtkulturbund die OB-Kandidaten
eingeladen, sich ausgehend von den "Prüfsteinen zur kommunalen
Kulturpolitik" dazu zu äußern, ob und wie sie aus ihrer starken
Stellung heraus die Kultur in Mönchengladbach weiter entwickeln
und fördern wollen.
Karl Boland dankt Frau Sabine Hänisch (Kulturredakteurin der WZ
in Krefeld), dass sie es übernommen hat zu moderieren. Nach einer
kurzen Begrüßung durch Frau Sabine Hänisch erfolgt der Einstieg
in die konkreten Themenkomplexe.
Podiumsdiskussion Frau Hänisch fragt
die vier Kandidaten: Welches war Ihr persönliches kulturelles
Highlight in den letzten Monaten?
Herr Wimmers (CDU): Eine sehr persönliche
Führung des Herrn Professor Mack vor zwei Monaten.
Herr Sasserath (Bündnis 90/Die Grünen): Der Besuch des jüdischen
Museums in Berlin mit einer Ausstellung von Daniel Liebeskind.
Herr Bude (SPD): Der Besuch eines
Konzertes des Thomanerchors in Mönchengladbach. Dieser Besuch
bedeutete für mich 1 ½ Stunden vom Alltag abschalten und Kultur
genießen.
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP):
Der Besuch des Sprengel-Museums in Hannover.
Gast aus dem Publikum: Die Antworten der vier Kandidaten sind
bezeichnend für die kulturelle Situation in Mönchengladbach: Abgesehen
von dem hier ansässigen Künstler Mack stammt keines der Glanzlichter
aus einer Mönchengladbacher Produktion.
Frau Hänisch: In Krefeld haben sich die Kulturinstitute
zu der Initiative "Kultur macht reich" zusammengefunden. Ist das
für Sie nur ein Wortspiel, oder können Sie es auch inhaltlich
füllen, d.h. ist Kulturförderung auch Wirtschaftsförderung? Wie
wichtig ist Kultur für eine Stadt wie Mönchengladbach? Herr Sasserath
(Bündnis 90/Die Grünen): Ja. Ich denke, Kultur schafft Toleranz,
Integration, soziale Bindung und Kommunikation. Kultur macht reich.
Das ist ein Punkt, der in Mönchengladbach bisher nicht gewürdigt
worden ist. Ich erhoffe mir jedoch Impulse vom neuen Kulturbüro.
Kulturförderung kann und soll mit Wirtschaftsentwicklung vernetzt
werden. Dies müssen wir hier aufgreifen.
Herr Bude (SPD): Kultur macht reich
(KR) hat zweierlei Bereiche. Kultur ist zunächst einmal eine Bereicherung
meines Lebens. Mit Kultur beschäftigen macht reich. Kultur ist
darüber hinaus für mich ein harter Standortfaktor.
Herr Wimmers (CDU): Dem gibt es nicht
so ganz viel hinzuzufügen. Kultur ist ein wichti ger Standortfaktor,
ob hart oder weich. Kulturelle Veranstaltungen erhöhen die Besucherzahlen
der Stadt, es werden Übernachtungen gebucht usw. Je mehr in einer
Stadt los ist, desto besser ist es für die Wirtschaftsförderung.
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP): Ich möchte widersprechen. Ich meine,
hier wird deutlich zu hoch gegriffen. Kultur gehört natürlich
zum Bildungsauftrag einer Stadt und kann einen Wirtschaftsstandort
in einem angemessenen Verhältnis ab- runden. Dass Kultur auch
die Wirtschaft fördert, ist nirgendwo verifiziert.
Frau Hänisch: Wenn Sie Oberbürgermeister werden, wie sieht denn
die Mönchen- gladbacher Kulturlandschaft in fünf Jahren aus?
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP): Wenn
es nach mir geht, werden wir kulturelle Standards halten können.
Wir haben ein gutes Orchester und eine hervorragend arbei tende
Musikschule. Ich habe fünf Kinder und bin genau für diesen Bildungsauftrag
besonders dankbar. Wir haben eine annehmbare Museenlandschaft.
Nichts desto trotz könnte an der Kulturlandschaft noch gearbeitet
werden, aber das Finanzdiktat wird es nicht erlauben.
Frau Hänisch: Alles bleibt, wie es ist?
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP):
Ich werde darum kämpfen, dass es bleibt, wie es ist.
Herr Wimmers (CDU): Zum einen hadern
wir hier mit einem Gegeneinander der freiwilligen Leistungen.
Das drückt sich in dem zitierten 4 : 0 für den Sport und gegen
die Kultur aus. Sport und Kultur sind beides freiwillige Leistungen,
die von der Fachaufsicht vorgegeben werden. Es wäre sinnvoll,
hier nicht ein Gegeneinander, sondern ein Miteinander zu avisieren.
Wir haben eine Kulturlandschaft, die sich nicht verstecken muss.
Ich denke an die Konzertreihen, den Skulpturenpark und vieles
andere mehr. Wünschenswert wäre es, wenn der Stadtkulturbund für
Politik und Verwaltung Ansprechpartner wäre für kulturelle Angelegen-heiten
- wie es der Stadtsportbund ist - und wenn wir in Zukunft enger
zusammenarbeiten und gemeinsam erarbeitete Projekte auch gemeinsam
umsetzen würden. Zu solchen regelmäßigen Gesprächen mit dem Stadtkulturbund
bin ich bereit.
Herr Bude (SPD): Wenn ich die kulturellen
Veranstaltungsziele für 2004 lese, dann muss ich sagen, die Kultur
ist in Bewegung. Es ist kein Stillstand da. Als Oberbürgermeister
werde ich das unterstützen, was sich die einzelnen Institute an
Zielen gesetzt haben. Ich glaube auch, dass es besser ist, die
klassischen Veranstaltungen nicht nur im Rathaus stattfinden zu
lassen, sondern in den jeweiligen kulturellen Ein- richtungen,
also sozusagen vor Ort. In vielen Dingen wird bei Kultur zwar
von "Chefsache" gesprochen, aber man ist auch an bestimmte Richtlinien
gebunden. Wir müssen über die finanzielle Ausstattung der beiden
Museen nachdenken. Aber ich denke, was bisher schon begonnen hat,
funktioniert auch, z. B. finanzielle Unterstützung durch Sponsoren.
Hier ist noch mehr machbar.
Herr Sasserath (Bündnis 90/Die Grünen):
Kultur würde schon "Chefsache", jedoch nicht in dem Sinne, dass
Herrn Rombey etwas weggenommen würde. Wichtig ist u. a. die Frage,
was an Kulturpolitik läuft, z. B. Stadttheater, Schlossmühle.
Kultur ist nicht nur Grundversorgung. Ich würde konkret mit dem
Kulturausschuss einen Kulturentwicklungsplan aufstellen unter
Einschluss aller Kulturinstitutionen, die es in Mönchengladbach
gibt. In diesem Plan sollen alle mittelfristigen Ziele niedergelegt
wer-den. Dieser Plan würde dann dem Rat vorgelegt. Ich würde weiterhin
konkret dafür sorgen, dass das Kulturbüro eine ähnliche Funktion
bekäme wie die EWMG oder die MGMG.
Herr Professor Edler: Von dem Dezernat des Herrn Rombey
ist im Jahr 2002 ein Kulturplan unter der Bezeichnung "SkulPtur-Plan
2003 plus" erarbeitet worden. Er durfte nicht veröffentlicht werden.
Würde sich das wiederholen, wenn Sie Vorsitzender der Verwaltungskonferenz
sind?
Herr Sasserath Bündnis (90/Die Grünen):
Ein einmaliger Vorgang, der nicht nachvollziehbar ist.
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP):
Ich muss sagen, ich bin in dem Vorgang nicht involviert. Wenn
jedoch im Abstimmungsprozess Sachen gegeneinander laufen, dann
kann so etwas passieren. Wenn die Oberbürgermeisterin dann sagt
- und die hatte die Verantwortung - das es "Chefsache" ist, dann
muss der Chef auch mal sagen können, dies geht nicht raus.
Herr Wimmers (CDU): So ein Vorgang
spricht nicht für die Homogenität im Team. Wenn etwas erarbeitet
ist, hat sich das Gremium über das Ergebnis zu unter- halten.
Alles andere ist Selbstbeschäftigung.
Herr Bude (SPD): Fakt ist, dass der
SkulPturplan 2003 ein Ziel hatte. Er ist intern kräftig diskutiert
worden. Es ist nicht nachvollziehbar, warum dieser Plan nicht
zur Verfügung gestellt worden ist. Ich habe kein Ver-ständnis
für diese Geheimniskrämerei. Ich bin deshalb umso froher, dass
eine Neuorganisation des Kulturdezernates stattgefunden hat mit
einer starken Eigenverantwortlichkeit der Fachbereiche. Die Schaf-fung
des Kulturbüros ist eine wichtige Errungenschaft. Eines der Hauptziele
des Kulturbüros ist die Entwicklung eines kulturellen Gesamtkonzeptes.
Herr Boland: Das Kulturbüro fabriziert Visionen. Wie sieht
es mit dem materiellen Hintergrund aus? Wie können die Dinge vom
Kulturbüro in Taten umgesetzt werden? Gibt es Vorstellungen, wie
dies unter die Leute kommt und wirksam wird?
Herr Bude (SPD): Es muss ein kulturelles
Gesamtkonzept erstellt und auch umgesetzt werden. Wir sind am
Anfang, wenn wir ein kulturelles Gesamtkonzept in Auftrag geben.
Dann muss ich auch als zukünftiger Oberbürgermeister den Rat in
seiner Verantwortung Ernst nehmen und einfordern.
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP):
Fakt ist, der Alltag sieht anders aus. Jedes kulturelle Ding,
was umgesetzt wird, muss irgendwann irgendwo etatisiert werden,
sich also im Haushaltsplan niederschlagen. Es muss auch vorher
entsprechend abgestimmt werden. Dies sollte schon beim Chef in
der Verwaltung liegen.
Herr Bude (SPD): Das Kulturbüro hat
die Aufgaben "Machbarkeit und Umsetzung" als Gesamtauftrag.
Herr Sasserath (Bündnis 90/Die Grünen):
Es gibt in Mönchengladbach bestimmte Bereiche, die zusammengehören.
Die EWMG als Entwicklungsgesellschaft erhält etwa 2/3 der Dividenden
der NVV AG - fünf bis zehn Millionen € -, die bisher die Stadt
Mön-chengladbach als Anteilseigner erhalten hat. Es ist also eine
Frage der politischen Bewertung, wie man Ressourcen schafft und
einsetzt. Auch das Projekt "Schlossmühle" war von einer solchen
Bewertung betroffen, so das eine Förderung durch die Landesregierung
an Mönchengladbach vorbeigegangen ist.
Frau Hänisch: Wie kann sich Mönchengladbach im Kulturbereich
und durch die Kultur Profilschärfe geben? Was muss man stärken?
Herr Sasserath (Bündnis 90/Die Grünen):
Es gibt vieles, was die Stadt unverwechselbar macht. Ich denke
hier an die Musikschule, die hervorragende Leistungen erbringt.
Die Stadt Mönchengladbach hat kulturelle Ressourcen, die wir viel
stärker nutzen werden. Man muss mit diesem Kapital auch entsprechend
umgehen. Dies ist ein Aspekt, den ich als Oberbürgermeister anpacken
würde. Die Studie Mönchengladbach 2030 macht deutlich, dass im
Kulturbereich, insbesondere auch für Jugendliche, noch einiges
getan werden muss. Die Stadt muss kulturell zukunftsfähig werden.
Gast aus dem Publikum: Könnte man einen Teil der
Schlossmühle für diesen Zweck reservieren?
Herr Sasserath (Bündnis 90/Die Grünen):
Es ist zu überlegen, ob eine Halle, wo man Textilmaschinen auf-
stellen will, diesen Anforderungen gerecht wird.
Herr Wimmers (CDU): Wir haben mehrere
große Bereiche für junge Leute. Zunächst einmal die Musikschule,
dann den Musikbunker neben dem Bahnhof in Mönchengladbach. Darüber
hinaus haben wir die Kleinkunstbühnen "Die Spindel" neben der
Erholung und das "Rote Krododil" in Wickrath. Dies wird jedoch
von der breiten Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Das Museum
soll auf jeden Fall erweitert werden. Wichtig ist natürlich, dass
man auch gute Privatsammlungen bekommt, die in das Museum kommen.
Ich denke hier an die Sammlung "Rheingold". Mit einer solchen
Sammlung könnte man auch etwas Druck machen, um an finanzielle
Mittel zu kommen. Wir müssen die Bürger überzeugen, dass das Museum
gut ist für die Stadt. Wir reden immer noch darüber, diesen Bau
zu verteidigen. Solange diese Vorbehalte in sehr sehr breiter
Dichte und hoher Intensität immer wieder vorgetragen werden, werden
wir nicht weiterkommen. Gast aus dem Publikum: Beim Tag der offenen
Tür im Museum waren 600 bis 700 Leute. Es ist doch eine gute Plattform,
um Einkaufserlebnis mit Kultur zu verbinden. Die Verbindung von
Kunst und Einkaufserlebnis in der Innenstadt ist auch ein Mittel,
um die Randlage des Museums zu verändern und mehr zur Integration
des Museums beizutragen. Von daher kann der Art Saturday nur begrüßt
werden.
Herr Boland: Beim Art Saturday sind die scharfen
Grenzen aufgehoben worden. Das kam vom City-Management. Wir nehmen
alles auf, was interessant ist, um eine projektbezogene Zusammenarbeit
massiv mit voranzutreiben. Das kann eine lange Museumsnacht sein.
Man könnte die Stadt hell erleuchten lassen und das ganze Umfeld
einladen.
Herr Wimmers (CDU): "Mönchengladbach
total". Das kostet Geld und ist auch eine logistische Herausforderung.
Der Versuch dürfte es wert sein und muss es wert sein. Man muss
darüber nachdenken. Die Idee eines "Mönchengladbach total" finde
ich faszinierend.
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP): Ich
persönlich glaube nicht, dass die Dinge so gut laufen, wenn die
Stadt Träger ist. Es muss aus dem bürgerlichen Bereich kommen.
Nur dann kann die Sache funktionieren. Eine Vernetzung scheint
angesagt. Auch hier brauchen Sport und Kultur nicht als Konkurrenz
aufzutreten. Durch Privatisierung bestehen gute Chancen, die Sache
mit Leben zu erfüllen.
Herr Forst: Herr Jansen-Winkeln, Sie haben gesagt,
nach ihren Visionen haben sie kein Geld für mehr Kultur. Sie fordern
jetzt jedoch, mehr Geld für Straßenerhaltung auszugeben, als für
die Kultur. Man könnte ja manche Straße liegenlassen!
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP): Fakt
ist, dass die Kultureinrichtungen nicht gnadenlos weggebrochen
worden sind. Die FDP und CDU haben immer zu den Kultureinrichtungen
gestanden. Ich habe nicht gesagt, ich will keine Kultur, ich habe
gesagt, ich will den Standard der jetzigen Kultur erhalten. Die
Schlossmühle zu erhalten ist rosarot und vollkommen unrealistisch.
Wir müssen die Möglichkeiten nutzen, die die Privatisierung uns
gibt; das sind Wege, die wir angeleiert haben. Ich denke, wir
sind auf keinem schlechten Weg, den Standard zu erhalten.
Ein Gast aus dem Publikum bemängelt, dass es keinen ausreichenden
Museumsführer gibt, der erläutert, wenn man etwas nicht versteht.
Ferner wird kritisiert, dass man die Oberbürgermeisterin zu wenig
im Theater sieht, dafür aber umso mehr bei Karnevalsveranstaltungen.
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP): Das
Museum hat Nachholbedarf. Im Sprengel-Museum in Hannover gibt
es ein Kassettenführungssystem. Man kann eine spezielle Führung
für un-terschiedliche Altersklassen der Kinder bekommen.
Herr Bude (SPD): Es gibt eine Reihe
von Veranstaltungen, mit denen Mönchengladbach sich profilieren
kann. Ich denke an das ausverkaufte Konzert in der St. Laurentius
Kirche in Odenkirchen. Ein zweiter Punkt ist die Frage der Vernetzung.
Wie können wir Ressourcen nutzen? Als Beispiel führe ich hier
das Eine-Welt-Musik- fest und das Musikschulfest an. Hier fand
eine gemeinsame Nutzung der technischen Einrichtungen statt. Der
letzte Aspekt ist, dass ich es für ganz wichtig halte, dass die
bestehenden Einrichtungen und die MGMG eng zusammenarbeiten.
Herr Sasserath (Bündnis 90/Die Grünen):
Ich hätte es gut gefunden, wenn zur Eröffnung des Nordparks die
Niederrheinischen Sinfoniker gespielt hätte.
Herr Wimmers (CDU): Sinfoniker gehören
wegen der Akustik nicht in ein Stadion.
Herr Wolfgang Dreßen: Beim Fest auf der Brucknerallee wurde mit
gutem Erfolg sehr viel Publikum auf die Straße geholt. Ich habe
das als Privater gemacht. Man konnte erstaunt sein, wie Kultur
gefördert wird. Ideen müssen aus der Bürgerschaft kommen, und
wenn sie da sind, sollten sie von der Stadt oder sonstigen kulturellen
Einrichtungen unterstützt werden.
Frau Forst: Ich möchte nur ganz konkret nach dem
Festival "Ensemblia" fragen. Ich möchte wissen, ob das Festival
eine Planungssicherheit bekommt.
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP):
Es gibt einen Ratsbeschluss zu dem Thema. Auf einem gewissen Level
wurde eine Fortführung beschlossen. Insofern sehe ich für die
nächsten Jahre keine Probleme. Ein weiterer Gast aus dem Publikum
kritisiert, dass Kultur in Mönchengladbach besser gemanagt werden
muss. Er selbst sei betroffen. Vor über einer Woche sei be-reits
der Plan herausgekommen, wo man Karten bestellen könnte, aber
Karten gäbe es noch nicht.
Frau Hänisch: Wir haben von Traumprojekten gesprochen.
Wir haben jedoch ein Projekt, das mittlerweile schon ein Albtraum
geworden ist, näm-lich das Stadttheater an der Hindenburgstraße.
Herr Wimmers (CDU): Zur Zeit herrscht
Ruhe zwischen den Vertragspartnern, so das man davon ausgehen
muss, dass der Projektentwickler den Ankermieter nicht gefunden
hat, und infolge fehlenden Ankermieters ist so ein Projekt nicht
zu stemmen. Wir müssen dann versuchen, diese Geschichte aufzubrechen
und zu einem juristischen Ende zu führen. Wenn das Projekt Stadttor
gescheitert ist, kann man das nicht noch einmal mit einem dritten
Bewerber versuchen. Dann müssen wir dafür sorgen, dass in dem
Haus in irgendeiner Weise etwas stattfindet.
Frau Hänisch: Das Projekt ist ein großer Klotz am
Bein. Wie wollen Sie das Problem angehen und eine kulturelle Nutzung
sicherstellen?
Herr Sasserath (Bündnis 90/Die Grünen):
Wir haben uns schließlich für das Otten-Modell ausgesprochen,
weil dieses Modell einen großen Anteil an kultureller Nutzung
vorsieht. Wir haben gedacht, wir stoßen den Prozess an, damit
der kulturelle Bereich erhalten bleibt. Es sind jedoch noch eine
Reihe von juristischen Fragen zu klären.
Herr Bude (SPD): Wir haben viele
Jahre einiges ausprobiert. Wir müssen einen Schnitt machen. Je
weiter sich das Projekt hinzieht, desto mehr schadet es dem Ruf
von Mönchengladbach. Wir sind eh schon eine Lachnummer im Land.
Otten hat ein gutes architektonisches Konzept vorgelegt. Die kulturelle
Nutzung gehört auf jeden Fall dazu.
Herr Binici (Betreiber der Spindel): Ich habe mit
verschiedenen Investoren gesprochen. Kultur könnte dort auch realisiert
werden, wenn man will, vor allem auch eine Kleinkunstbühne. Im
Januar 2005 hat "Die Spindel" ihr zehnjähriges Jubiläum. Es soll
eine große Feier werden. Ich habe mir vorgestellt, einen Kabarettpreis
für Mönchengladbach ins Leben zu rufen.
Herr Forst: Vom ehemaligen Schauspielhaus wird behauptet,
es sei in einem fürchterlichen Zustand. Aber Jahr für Jahr findet
dort die Karnevalsveranstaltung der Rheinischen Post statt. Warum
kann dieser Raum nicht auch anderweitig genutzt werden, in den
anlässlich der Theatererweiterung noch Millionen investiert worden
sind. Ich bin anläßlich der letzten Ensemblia noch in diesem Haus
gewesen. Das Schultheaterfestival würde sich freuen, dieses Haus
noch nutzen zu können, und auch die Schulen könnten dort arbeiten.
Herr Dr. Jansen-Winkeln (FDP): Die
Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Es sind die Räume der
Black-Box, die genutzt werden, aber das gesamte Haus würde dem
jetzt geforderten Brandschutz nicht entsprechen. Meine Vision
ist immer noch, das Otten-Modell umzusetzen. Das ist aus meiner
Sicht für diesen Standort ein Schub nach vorn. Wenn das nicht
praktikabel ist, werden wir einen Stillstand in dieser Sache bekommen.
Herr Wimmers (CDU): Gestatten sie
mir die Bemerkung, dass auch der Karneval zum Kulturangebot gehört,
es ist ein Winterbrauchtum. Das Problem ist im Moment, dass überall,
vor allem auch in den großen Städten, Gebäude leer liegen. Düsseldorf
hat z. B. mehr Büroleerstände als es in Mönchengladbach Bürofläche
gibt. Im Moment kann auf jeden Fall im Stadttheater keine vernünftige
größere Veranstaltung stattfinden.
Herr Bude (SPD): Ich denke, wenn
wir erkennen, dass das Projekt Stadtfenster weiterhin nicht umgesetzt
wird, dann sollte man das Haus dem zurückgeben, der viel besser
entscheiden kann; nämlich der Kulturverwaltung. Man kann von keinem
Liegenschaftsbeamten erwarten, sich unter kulturellen Gesichtspunkten
für ein Projekt zu entscheiden.
Herr Boland: Wir nutzen unsere Plätze in der Stadt
nicht für kulturelle Zwecke, es sei denn, für die Kirmes. Ich
denke hier z. B. an den Platz vor der "Erholung". Dieser Platz
ist ein Juwel. Es gibt in der Stadt mehrere Plätze, die hervorragend
für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden könnte.
Herr Professor Edler: Für die Anlage der Busspur
zum Transport der Sportbegeisterten zum neuen Borussenstadion
hat die Stadtverwaltung schnell und ohne entsprechende Formalitäten
reagiert. Darauf kann die Stadt stolz sein. Könnte die Stadtverwaltung
unter Leitung einer der Kandidaten auch so schnell reagieren,
wenn es um kulturelle Projekte ginge? Was ich vermisse ist, das
Profil dieser Stadt mit einer industriegeschichtlichen Dimension
zu entwickeln. Die Schlossmühle wäre dafür geeignet gewesen. Das
Ruhrgebiet entwickelt aus ihrer industriellen Vergangenheit eine
große Attraktivität.
Frau Hänisch: Wir wollen das als Denkanstoss stehen lassen.
Frau Hänisch bedankt sich zum Abschluss der Podiumsdiskussion
ganz herzlich bei den Kandidaten und beim Publikum.
Der Stadtkulturbund dankt Frau Gisela von Otten
sehr herzlich für ihre stenografischen Notizen, deren Niederschrift
die Grundlage für diese Protokoll ist. Endredaktion: Günther Edler