Stadtkulturbund
Mönchengladbach e.V.
Geschäftsführender (gesetzlicher) Vorstand
Prüfsteine
zur kommunalen Kulturpolitik 2004
Der Stadtkulturbund
bittet die Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters - als
künftige Leiter der Stadtverwaltung und Vorsitzende des Rates
der Stadt um eine Stellungnahme zu folgenden Punkten:
I. Grundsatzfragen
der kommunalen Kulturpolitik
Der Stadtkulturbund
Mönchengladbach hat sich im Oktober 2003 grundsätzlich zur kulturellen
Situation in Mönchengladbach geäußert. Demnach geht er davon aus,
dass
Kultur
Nutzen für das Gemeinwesen stiftet und deshalb
-
Investitionen in die Kultur zugleich die Wirtschaft fördern
Kultur ein wesentlicher Faktor
der gesellschaftlichen Integration darstellt und deswegen
-
die städt. Kulturarbeit intensiviert und
-
die kürzlich vollzogene Neuorganisation Kulturverwaltung vor allem
diesem
Ziel dienen muss
Kulturförderung ein wichtiges
Instrument ist, um die noch zu schwach entwickelte
gesamtstädtische Identität und den Anspruch eines regionalen Oberzentrums
zu festigen.
Der Stadtkulturbund bedauert, dass in der letzten Amtszeit von
Rat und Oberbürgermeisterin wichtige Kulturprojekte nicht realisiert
bzw. ernsthaft verfolgt wurden:
- Das Theater an der Hindenburgstraße
blieb ungenutzt; das Projekt Stadtfenster
wurde durch das Projekt Stadttor abgelöst, ohne dass bisher Sicherheit
über Art, Umfang und Nachhaltigkeit der dritten Säule "Kultur"
im Stadttor besteht. - Das
Projekt "Schlossmühle" als Textilkompetenz- und Veranstaltungszentrum
wurde aufgegeben; eine Förderung durch die Landesregierung
in Höhe von 7,2 Mio € wurde damit ausgeschlagen. - Der zweite
Bauabschnitt des Abteiberg-Museums ist über das Stadium einer
Vorplanung nicht hinausgekommen.
Wie Bürgermeister Schroeren anlässlich der Grundsteinlegung für
das neue Zentralbad sagte, steht es nun 4 : 0 für den Sport in
Mönchengladbach. Die Null steht vermutlich für die Entwicklung
kultureller Projekte. Frage an die Kandidaten: Wie kann
der Stillstand in der kommenden Wahlperiode überwunden werden?
II. Themenkreis
"städtisch finanzierte Kultur und Kultureinrichtungen"
Die
städtischen Kultureinrichtungen in Mönchengladbach (Stadtbibliothek,
Stadtarchiv, Musikschule, Volkshochschule und die Museen) benötigen
Freiheit zur Erfüllung ihrer Aufgaben, wie sie den Vereinigten
Städtischen Bühnen Krefeld - Mönchengladbach gewährt ist. Dafür
sind Anreize zu eigenverantwortlichem wirtschaftlichen Handeln
zu setzen. Die bisher nur zögerlichumgesetzte Verwaltungsreform
setzt auf eine Budgetierung der Sach- und Personalmittel.
Auf dieser Grundlage müssen Rationalisierungserfolge ebenso
wie Einnahmesteigerungen im Kulturbereich belassen und daraus
auch neue Kulturangebote gefördert werden können.
Frage:
Welche Vorstellungen haben Sie für die Entwicklung und künftige
Finanzierung der genannten städtischen Kultureinrichtungen?
III. Themenkreis
"Förderung privater Kulturinitiativen"
Bislang wurden
private Kulturinitiativen, Kulturvereine, Kulturbetriebe
und Künstler von der Stadt nur in Einzelfällen, also nicht
systematisch gefördert. Die neue Organisation des Kulturdezernats
sieht ein dem zuständigen Dezernenten zugeordnetes Kulturbüro
vor, das konzeptionell arbeiten soll, ohne dass dafür auch finanzielle
Mittel aus dem Haushalt der Stadt verfügbar sind. Um einen hohen
Wirkungsgrad zu erreichen, müsste das Kulturbüro eine der Wirtschaftsförderung
vergleichbare Funktion haben. Alle Bereiche der Stadtverwaltung
einschließlich der Marketinggesellschaft MGMG müssen für die Realisierung
kultureller Aufgaben und Projekte ansprechbar und dienstbar gemacht
werden. Städtische Räumlichkeiten sind intensiver für kulturelle
Veranstaltungen zu nutzen.
Das Städtische
Kulturleben ist in der Vergangenheit von bürgerschaftlichem
Engagement gestützt worden. Es könnte verstärkt mobilisiert
werden, wenn Strukturen geschaffen werden, die mäzenatisches Engagement
attraktiv macht.
Fragen:
Welche Akzente wollen Sie für die Förderung privater Kultur setzen?
Haben Sie konkrete Ideen, wie das bürgerschaftliche Engagement
intensiviert werden könnte?
IV. Themenkreis
"langfristige kommunale Zukunftssicherung durch Kultur"
Eine auf
Dauer angelegte Kulturentwicklungsplanung könnte für Mönchengladbach
ein wichtiger Baustein zur Verwirklichung des Projektes "Stadt
2030" sein. Das Entwicklungsziel der Stadt und die dazu einzuschlagenden
Strategien und Wege müssen die kulturellen Entwicklung mit einschließen,
weil sie ein wichtiger Faktor auch für die wirtschaftliche Entwicklung
des Oberzentrums Mönchengladbach ist.
Nachdem das
Borussen-Stadion realisiert und das Projekt eines Hockey-Stadions
gesichert sind, müsste die Stadt Mönchengladbach nun auch Kulturprojekte
auf den Weg bringen können. Der Stadtkulturbund stützt drei Projekte:
- Die dauerhafte Sicherung des Kulturangebots im Projekt
"Theater-Tor" an der Hindenburgstraße
- die Schlossmühle als industriegeschichtliche Erweiterung
des Museums Schloss Rheydt und
- den zweiten Bauabschnitt des Abteiberg-Museums.
Kulturpolitik
ist eine tragende Säule moderner Stadtentwicklungspolitik.
Sie kann es in Mönchengladbach werden, wenn für sie nicht mehr
allein ein Dezernat oder eine städtische Gesellschaft zuständig
ist, sondern zur "Chefsache" wird, also Oberbürgermeister und
Verwaltungskonferenz dafür sorgen, dass die kulturellen Gesichtspunkte
in allen Bereichen der Verwaltung berücksichtigt werden.
Fragen:
Können Sie diesen Aussagen zustimmen? Müssen die Ziele der kulturellen
Entwicklung in den Leitbildern abgesichert werden, die für die
Stadtverwaltung (im Rahmen der Verwaltungsreform) und die Stadt
(im Zusammenhang mit dem Projekt "Stadt 2030") entworfen und beschlossen
werden sollen?